Der Jahreskreis – Halt und Ausrichtung
Bildausschnitt mit freundlicher Genehmigung von Susanne Pommerenke
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Der Kreislauf von (Neu-)Geburt und Wachstum über Reife bis hin zum Rückzug/Tod findet nicht nur in der Natur statt. In vielen Kulturen und Religionen gibt es wiederkehrende Feste, die sich am Jahreskreis orientieren.
Während unsere germanischen Vorfahren vier Feste zu Ehren der Sonne feierten, nämlich den längsten und den kürzesten Tag des Jahres sowie die beiden Tagundnachtgleichen, haben die vier Mondfeste - Samhain, Imbolc, Beltane und Lammas/Lughnashad – ihren Ursprung in der keltischen und irischen Tradition.
Wann genau wird gefeiert?
Die vier Mondfeste wurden traditionell nach dem Mondkalender gefeiert:
Samhain: zum 11. Dunkelmond/Neumond des laufenden Kalenderjahres
Imbolc: um den 2. Vollmond nach der Wintersonnenwende
Beltane: um den 5. Vollmond nach der Wintersonnenwende
Lammas/Lughnasadh: um den 8. Vollmond nach der Wintersonnenwende
Unabhängig vom Mondstand und vermutlich aus praktischen Gründen feiern manche mittlerweile die Mondfeste jeweils am 1. Tag der Monate November (Samhain), Februar (Imbolc), Mai (Beltane), und August (Lammas/Lughnasadh).
Auch die Sonnenfeste werden der Einfachheit halber von vielen am 21. Tag der Monate Dezember, März, Juni und September gefeiert. Strenggenommen fallen sie aber nicht jedes Jahr auf dasselbe Datum, weil sie sich nach dem tatsächlichen Sonnenstand richten, der sich um 1 oder 2 Tage verschieben kann:
Yule (Wintersonnenwende) fällt meist auf den 21. oder 22. Dezember,
Ostara (Frühlingstagundnachtgleiche) auf den 20. oder 21. März,
Litha (Sommersonnenwende) auf den 20. oder 21. Juni, und
Mabon (Herbsttagundnachtgleiche) auf den 22. oder 23. September.
Und was hat der Jahreskreis mit Biografie- und Ahnenarbeit zu tun?
Ich verstehe Biografie- und Ahnenarbeit als eine wunderbare Möglichkeit, mehr Klarheit, Handlungsfreiheit und vor allem mehr Verbundenheit in mein Leben zu bringen. Und dabei unterstützt mich auch der Jahreskreis, denn er bietet mir einen zyklischen Rahmen, um mein Leben bewusst zu gestalten, Übergänge zu würdigen und die Verbindung zu den Ahnen zu pflegen.
Mir persönlich sind die Sonnen- und Mondfeste, von denen meine Vorfahren sicher auch einige gefeiert haben, gar nicht so wichtig. Was mir aber viel Halt und Ausrichtung gibt, ist das Wissen um die jeweilige Zeitqualität. Ich nehme viel deutlicher wahr, was sich in der Natur abspielt. Ich spüre immer mehr Freude über die kleinen Dinge, die eine neue Phase im ewigen Kreislauf ankündigen. Und ich fühle mich so immer mehr verbunden, immer mehr verwurzelt.
Vielleicht liegt es an den Algorithmen und der „Blase“, in der ich mich gerade bewege, aber mein Gefühl ist, dass das Interesse an den natürlichen Rhythmen des Lebens gerade wieder steigt. Das wäre wunderbar. Und heilsam. Denn ich bin fest davon überzeugt, dass es für ein erfülltes und friedliches Zusammenleben – jetzt und in der Zukunft – Menschen braucht, die sich nicht nur ihrer Einzigartigkeit bewusst sind, sondern sich auch als Teil eines großen Ganzen und als Teil eines Kreislaufs wahrnehmen. Mit einer solchen Weltsicht genießen wir das Leben im Hier und Jetzt, … und zwar so, dass auch diejenigen, die nach uns kommen, diese Möglichkeit noch haben. Mit einer solchen Weltsicht verstehen wir uns als Teil der Natur, da wir alle demselben Rhythmus folgen. Mit einer solchen Weltsicht – im Kollektiv - ließe sich auf diesem Planeten auch etwas Neues kreieren, anstatt immer das zu wiederholen, was wir in den letzten Jahrhunderten gemacht haben. Und was, wenn wir ehrlich sind, nur für ganz Wenige wirklich gut funktioniert.